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Traditionen (Feiertage)

In Zusammenarbeit mit Willi Zarnitz (seit vielen Jahren Langzeiturlauber auf Kreta, der auch hinter die Kulissen schaut) sind diese Seiten entstanden, da Fragen dieser Art immer wieder auftauchen.

Neujahr

Für Kinder wohl einer der wichtigsten Tage im Jahr ist der Neujahrstag. Es ist der Namenstag des „Heiligen Wassilios“ und der bringt traditionell in der griechisch-/kretischen orthodoxen Welt die gewünschten und heiß ersehnten Geschenke. Traditionell ist aber auch der Aberglaube, dass man am Neujahrstag, um Unglück zu vermeiden, beim Betreten einer Wohnung die Türschwelle immer zuerst mit dem rechten Fuß übertreten muss und dass man auf gar keinen Fall offene Rechnungen an diesem Tag begleichen darf.

Karneval

Karneval auf Kreta? Eher nicht - oder? Doch! Rethymno ist hinter Patras die Hochburg des griechischen Karnevals. Und das auch schon seit 1914, als sich Kreta Griechenland angeschlossen hatte und es deshalb fröhliche Veranstaltungen und Feiern gab. Die Karnevalszeit endet am Sonntag mit einem großen Umzug von Motivwagen und maskierten und verkleideten Fußgruppen. Musikkapellen gibt es jedoch nicht. Dafür sind aber auf der gesamten Wegstrecke, die durch die gesperrten Straßen der Innenstadt führt, Lautsprecher aufgestellt und es läuft überall dieselbe Musik. Kurioserweise sind das überwiegend latein-amerikanische Weisen und die Fußgruppen laufen im Rhythmus des lautstarken Sounds und zeigen dabei eine ziemliche Kondition.

An diesem Sonntag endet dann auch die Karnevalszeit. Ab Montag beginnt die 49-tägige Fastenzeit. Es gibt an diesem Montag nur fleischloses Essen; erlaubt ist aber Fisch, ungesäuertes Brot und ein Gebäck bestehend aus Sesam und Honig (Chalvá genannt).

Chronia polla

Der gebräuchlichste Glückwunschspruch lautet: „xronia polla“, (gr.: Χρόνια πολλά = wörtlich übersetzt: „viele Jahre“), oft versehen mit dem Zusatz; „me ijia“, (gr.: με υγεία, d.h. „mit Gesundheit“). Gesagt oder geschrieben werden die Wünsche anlässlich eines Geburts- oder Namenstages. Bei Glückwünschen zum Geburtstag kann man auch noch den Satz gebrauchen: wörtlich = „Du sollst 100 Jahre vollenden“ = „na ta ekatostisis“ (gr.: να τα εκατοστήσεις). Geburtstagsfeiern sind nicht so wichtig (nur für Kinder natürlich), aber die Glückwünsche an einem Namenstag nicht auszurichten, kommt auf Kreta und im übrigen Griechenland fast einer Todsünde gleich. Namenstag ist für orthodoxe Christen das höchste persönliche Ereignis und äußerst wichtig. Daher gibt es auch für „Namenstag“ ein spezielles Kapitel.

Namenstag

Der Namenstag ist der größte persönliche Festtag eines Jahres und wird von orthodoxen Christen auf Kreta und im übrigen Griechenland ausführlich begangen. Natürlich muss dazu von Familienmitgliedern (und das geht hin bis zu Cousinen/Cousins zweiten und dritten Grades und Großtanten und -onkel), Taufpaten, Trauzeugen, Freunden und guten Bekannten gratuliert werden. Während Geburtstage sich über ein ganzes Jahr verteilen, kommt es bei manchen Vornamen allerdings zum regelrechten Glückwunschstress. Besonders bei häufig verwendeten Namen (Maria, Eleni, Irini, Georgos, Manolis, Nikos, Adonis – um nur einige zu nennen) hat man viel „Arbeit“, um schriftlich, telefonisch oder persönlich die Glückwünsche auszusprechen. Und natürlich darf man niemanden vergessen. Dieses Versäumnis würde einem nicht so leicht verziehen. Selbstverständlich wird auch der Namenstag des Heiligen der jeweiligen Kirche oder Klosters sowie eines Dorfes ausgiebig gefeiert. Es herrscht dann oft Volksfestcharakter; Essen und Getränke werden gereicht und natürlich spielen Musiker (auf Kreta mit dem unverwechselbaren Klang der Lyra) zum (Volks-)Tanz auf. Sollte ein solches Fest während des Urlaubs irgendwo in der Nähe des Aufenthaltsortes stattfinden, unbedingt einen Besuch machen. Gäste sind bei den so gastfreundlichen Kreterinnen und Kretern immer herzlich willkommen. Der Namenstag ist ja bekanntlich immer am gleichen Tag, Jahr für Jahr. Denkste! Natürlich gibt es auch hier die Ausnahme von der Regel. Sollte der Namenstag von Georgos, der auf den 23. April terminiert ist, innerhalb der Vor-Oster-Fastenzeit fallen, wird er kurzerhand auf den Ostermontag verschoben. Feiern in der Fastenzeit sind nämlich absolut tabu. Es gibt noch eine Besonderheit, die allerdings nur auf Kreta existiert. Für den Namen Maria gibt es zwei verschiedene Tage. Der eine ist für unverheiratete (21.11.) und der andere für verheiratete Marias (15.08.) vorgesehen. Ob geschiedene Marias wieder auf den Tag der unverheirateten Marias wechseln, habe ich jedoch noch nicht herausfinden können.

Ostern

Ostern ist das bedeutendste Ereignis im orthodoxen Kirchenkalender. Es ist der Feiertag der Feiertage. Eingeleitet wird die Vorosterzeit mit Beginn der Fastenzeit, die ab Rosenmontag anfängt und 49 Tage dauert. Für die Karwoche, die in Griechenland „Große Woche“ genannt wird, gelten besonders strenge Fastenvorschriften. Am „Großen Freitag“ wird Christus zu Grabe gelegt und nach dem Trauergottesdienst zieht eine Prozession durch den jeweiligen Ort. Am Samstagabend beginnt die mehrstündige Auferstehungsmesse und kurz vor Mitternacht erlischt alle Beleuchtung bis auf das „Ewige Licht“ in der Kirche oder Kapelle. Um Mitternacht ruft der Priester: „Christus anesti“ (Christus ist auferstanden) und die Gläubigen antworten: „Alithos anesti“ (Wahrlich, er ist auferstanden). Dann werden die mitgebrachten Kerzen angezündet. Oft gibt es Feuerwerk und Böller werden entzündet. Traditionell wird in der Nacht noch zu Hause im Familienkreis Magiritsa (aus Innereien hergestellte säuerliche Suppe) gegessen, außerdem auch rot gefärbte Eier. Dabei hat das rote Ei zwei Bedeutungen, und zwar steht das Ei für das ewige Leben und die rote Farbe für das Blut von Jesus Christus. Ostersonntag treffen sich dann Familienmitglieder von nah und fern und man isst Lamm und Zicklein, die sich vorher stundenlang malerisch am Spieß gedreht haben.

Wer das Glück hat als Außenstehender eingeladen worden zu sein, sollte unbedingt dieser Einladung folgen, um schöne Stunden in einem fröhlichen Kreis zu genießen und an kretischer Lebensfreude und Gastfreundschaft teilnehmen zu können.

Da Feiertage in der griechisch-orthodoxen Kirche nach dem „Julianischen Kalender“ errechnet werden, in der katholischen oder evangelischen Christenheit aber Feiertage nach dem „Gregorianischen Kalender“ gefeiert werden, stimmen die Termine in den meisten Jahren nicht überein.

Pfingsten

50 Tage nach Ostern wird in der griechisch-orthodoxen Kirche das Pfingstfest (Pentikosti) gefeiert. Einen Tag davor (Psychosavvato) trifft man sich zum Gedenken an die Verstorbenen an deren Gräbern. Dort wird dann Kollyva verteilt (das ist gekochter Weizen, der mit z.B. Granatapfelkernen, Rosinen, Puderzucker und Petersilie gewürzt ist). Der Ursprungsgrund des Zusammenseins an den Gräbern ist die Erinnerung an die Jünger, die mit Christus noch 50 Tage nach seiner Auferstehung auf Erden weilten und deren Seelen „heim“ gegangen sind. Am Pfingstmontag sind in und an allen Kirchen mit dem Namen „Agia Triada“ (Heilige Dreifaltigkeit) große Feierlichkeiten.

Ochi-Tag

Ein einziges kleines Wort erfüllt die Griechen Jahr für Jahr mit erheblichem Stolz. Das Wort ist „Ochi“ (in griechischer Schrift „Όχι”) und bedeutet in deutsch „Nein“. Hintergrund ist die Aufforderung des italienischen Faschistenführers und Diktators Mussolini am 28. Oktober 1940 zur Kapitulation, die die griechische Regierung mit „Όχι” beantwortete und damit den Beginn des Krieges zwischen Italien und Griechenland bedeutete.

An dieses Ereignis wird jedes Jahr in allen griechischen Orten mit Paraden in militärischem Stil und Umzügen von Studenten und Schülern erinnert. Daran nehmen auch alle Honoratioren des Ortes teil (Bürgermeister, Ortspolitiker, Geistliche, Feuerwehr, Musikkapellen und sonstige Vereinigungen) und die Bevölkerung steht an den Umzugswegen und ist begeistert und stolz.

Weihnachten

Für die katholische und protestantische Christenheit ist Weihnachten das bedeutendste kirchliche Fest. Das ist für die orthodoxen Christen allerdings nicht so. Da steht die Auferstehung von Jesus Christus an der Spitze der Feiertage (also Ostern). Aber natürlich ist auch das Weihnachtsfest ein hoch bewertetes Kirchenfest. Ein Unterschied ist ebenfalls noch, dass Weihnachten, nicht so wie bei uns, am 24. Dezember beginnt, sondern erst am 25. Dezember. Vor dem Weihnachtsfest liegt eine 40-tägige Fastenzeit, in der es den Gläubigen nicht erlaubt ist, tierische Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Am 25. Dezember besucht man dann gemeinsam den Gottesdienst und anschließend sitzt die Familie danach gemütlich zu Hause zusammen und es gibt zum Kaffee spezielles Weihnachtsgebäck und man wünscht sich gegenseitig: „Frohe Weihnachten“ (gr.: Καλά Χριστούγεννα) oder auch „Gutes Jahr“ (gr.: Χρόνια Πολλά). In den letzten Jahren ist es auch in vielen Familien üblich geworden, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, und zwar oft schon zwei oder drei Wochen vor dem Fest und nicht so wie bei uns erst am Heiligabend. Eine Bescherung findet übrigens nicht statt. Das wird bei den orthodoxen Christen erst an Neujahr vorgenommen.

Silvester

Silvester wird traditionell familiär gefeiert. Man sitzt zusammen und schlemmt nach allen Regeln der Kunst. Es wird viel gegessen und auch getrunken. Um die lange Zeit bis Mitternacht zum Jahreswechsel zu überbrücken werden dann Glücksspiele aller Art in Angriff genommen. Zum Wechsel der Jahre hat man einen speziellen Kuchen vorbereitet. In ihm ist eine Münze eingebacken. Wem es gelingt, dieses Geldstück zu finden, dem soll das Glück für das gesamte neue Jahr hold sein.

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