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(Un)Sitten und Gebräuche

In Zusammenarbeit mit Willi Zarnitz (seit vielen Jahren Langzeiturlauber auf Kreta, der auch hinter die Kulissen schaut) sind diese Seiten entstanden, da Fragen dieser Art immer wieder auftauchen.

Motiv: Willi Zarnitz
Motiv: Willi Zarnitz
Moti: Willi Zarnitz
Motiv: Willi Zarnitz

Aussprache / Betonung

Wie in keiner anderen Sprache ist die Betonung eines griechischen Wortes von fundamentaler Wichtigkeit. So kann ein identisch geschriebenes Wort mit Betonung auf einer anderen Silbe eine völlig verschiedene Bedeutung haben. Und bei falscher Betonung könnte es daher schon einmal zu einer kleinen oder mittleren Katastrophe kommen. Dazu eine kleine Anekdote: Vor einigen Jahren schwamm im Pool eines Hotels auf Kreta ein Herr aus Dresden. Als ich am Becken vorbeikam sprach er mich mit unüberhörbarem sächsischem Dialekt an uns sagte: „Hier läuft immer nur englische Musik. Warum können die nicht mal griechische Musik laufen lassen?“ „Sprechen Sie doch einfach deshalb die Bedienung an der Poolbar an“ war meine Antwort. In diesem Moment kam auch die Bedienung (sie hatte ihren ersten Arbeitstag im Hotel und sprach und verstand kein einziges deutsches Wort) von der Poolbar an den Beckenrand und wurde umgehend von unserem Schwimmer angesprochen. Sie nickte, ging wieder hinter den Tresen und tatsächlich wechselte die Musik auf griechische Lieder. „Na, man muss nur seine Wünsche äußern und dann klappt es auch“ rief ich dem Herrn im Pool zu. Just zu diesem Zeitpunkt kam die Bedienung mit einem Tablett, auf dem sich zwei Schnäpschen befanden, an den Beckenrand und strahlte den Herrn im Wasser an. Dieser schaute verständnislos und brachte nur ein: „Hä?“ hervor. Worauf dann auch die Kellnerin äußerst verständnislos schaute. Auf meine Frage, was er dann gesagt habe, kam als Antwort: „Können wir nicht mal Theodorakis hören?“. Mir wurde schlagartig klar, was hier passiert war. Die Nachfrage in englisch bei der Bedienung ergab dann die Bestätigung meiner Vermutung. Sie hatte nichts von dem sächsisch Gesprochenen verstanden mit einer Ausnahme: „thio .. rakis“ und hatte prompt die zwei nach ihrer Meinung bestellten Schnäpse gebracht. Die Änderung der Musik war reiner Zufall. Es wurde dann kräftig über dieses Missverständnis gelacht und die Rakis haben auch nicht überlebt.

Griechische Vornamen

Wenn man auf der Insel Kreta auf einem sehr belebten Platz laut: „Janni!“ rufen würde, würden sich bestimmt eine ganze Reihe Männer zum Rufer umdrehen. Ein Modename? Nein! Dasselbe würde auch passieren, wenn z.B. „Georgo!“, „Niko!“, „Manoli!“, „Maria!“, „Eleni!“ oder „Irini!“ gerufen würde. Die Vornamensgebung ist nicht der Mode geschuldet, sondern der Tradition. Traditionell erhalten die Kinder die Vornamen ihrer Großeltern. Bei dem dritten männlichen oder dritten weiblichen Kind ist nunmehr jedoch die Namensgebung frei. Sehr häufig erhalten dann die Kinder die Vornamen ihrer Taufpaten. Taufpaten haben auf Kreta bzw. im gesamten Griechenland einen äußerst wichtigen Status. Sie haben nämlich lebenslang Verpflichtungen – auch finanzielle – für ihr Patenkind zu übernehmen. Besonders in ländlichen oder kleinstädtischen Gegenden, wo immer noch enge Familienverbände existieren, wird die Tradition der Vornamensgebung aufrecht erhalten, auch in den heutigen modernen Zeiten. Da aber so viele Personen innerhalb einer (oft sehr großen) Familie denselben Vornamen haben, werden im Alltag meist Kurzformen oder Kosenamen zur Unterscheidung benutzt.

Verbotene Handzeichen

Wenn man sich bei uns zu Hause für eine Freundlichkeit, ein Entgegenkommen oder eine andere Gefälligkeit mit einem Handzeichen bedanken will, spielt es keine Rolle, wie die Haltung oder Bewegung der Hand vonstatten geht. Anders ist das auf Kreta. Beim Bedanken darf auf gar keinen Fall die Handinnenfläche in Richtung Gesicht des zu Bedankenden zeigen. Diese Geste würde nämlich keine Freundlichkeit beinhalten sondern das totale Gegenteil. „Ich wünsche Dir die Pest an den Hals!“, „Alles erdenklich Schlechte““ oder „Geh zum Teufel!“, so oder ähnlich ist die absolut negative Bedeutung dieses Handzeichens. Also: mit dem Kopf nicken, mit der Hand winken – all das ist korrekt. Nur nie die Handinnenfläche dem Gegenüber ins Gesicht zeigen.

Herkunft griechischer Vornamen

Bei manchen griechischen Vornamen fragt man sich: „Wo können die wohl herkommen?“ Als Antwort kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Die meisten Namen stammen natürlich aus dem atgriechischen (z.B. aus der griechischen Mythologie und aus Heldensagen), unter der Besetzung Roms kamen dann römische dazu, natürlich auch christlich geprägte aus dem hebräischen und auch dem slawischen Raum. Ganz selten sind auch muslimische Namen zu hören. Bleiben Ehen über lange Zeit kinderlos, so besuchen gläubige orthodoxe Frauen bestimmte Wallfahrtskirchen, um dort den jeweiligen (Orts-) Heiligen um die Erfüllung ihres bisher unerfüllten Kinderwunsches zu bitten. Kommt es dann tatsächlich zur Geburt eines Babys, so erhalten die Kinder aus Dankbarkeit den Vornamen des Heiligen. Es gibt auch Vornamen, die aus dem westeuropäischen Sprachraum stammen; sie wurden dann oft „eingegriechischt“ (der Fachausdruck dafür heißt „gräzisiert“, d.h. den altgriechischen Sprachen nachempfunden). In der jetzigen Zeit ist es auch Mode geworden, speziell Kose- und Kurznamen aus dem englischsprachigen Raum zu benutzen.

Ikonen

Eigentlich bedeutet das Wort „Ikone“ (gr.: η εικόνα) lediglich „Bild“, „bildliche Abbildung“, wird aber in unserem Sprachgebrauch praktisch immer als kirchliche / christliche Abbildung von Jesus Christus, der Gottesmutter Maria oder diversen Heiligen verstanden. Es gibt auf Kreta (und im übrigen Griechenland) keine Kirche oder Kapelle, und seien sie noch so klein, die nicht Ikonen ihr Eigen nennen. Viele von ihnen sind hunderte Jahre alt und werden besonders in Ehren gehalten. Ihr Wert ist einfach unschätzbar. Ikonen sind für die Gläubigen mehr als nur ein Bild. Sie bringen eine enge Verbindung zwischen dem orthodoxen Christen und dem Abgebildeten; fast kann man von einer Symbiose sprechen und bilden eine Verknüpfung zwischen zwei unterschiedlichen Lebewesen. Sie sind in dem Sinne also keine Kunstobjekte, sondern reine theologische und spirituelle Bilder. Für die Erstellung einer solchen Ikone gelten strenge Maßstäbe und Vorgaben. Es geht für den Maler nicht darum, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, sondern sich möglichst detailgetreu an die (ur-)alten Vorbilder zu halten. Dazu werden auch heutzutage noch immer traditionell hergestellte Farben verwendet. Da der Herstellungsprozess sehr aufwendig ist, dauert die Erstellung einer Ikone oft mehrere Monate. Als Materialien können die unterschiedlichsten Grundstoffe verwendet werden, wobei die meisten Ikonen auf Holz gemalt sind.

Ikonostasia

Wer auf den Straßen Kretas unterwegs ist, sieht sehr häufig an den Staßenrändern, an unübersichtlichen Stellen oder unbefestigten Kurven kleine Häuschen, die wie Kirchlein gestaltet sind, oder Betsäulen, die aus Stein oder Metall gefertigt sind. Im Inneren sind meistens eine Ikone, ein Öllämpchen, oft auch ein Foto einer Person. Diese Kirchlein, Ikonostasia oder auch Proskinitiria genannt, stehen zur Erinnerung an einen Unfall. Dabei kann es sein, dass sie als Gedenkstelle für Jemanden , der hier an dieser Stelle tötlich verunglückt ist, errichtet wurden oder als Danksagungsstelle für Menschen, die einen schweren Unfall überleben konnten. Und sie werden immer in Ehren gehalten und gepflegt.

Jammas

Sitzt man in einer Runde mit kretischen / griechischen Freunden, Bekannten oder auch völlig fremden Personen zusammen, so nennt man das eine „Parea“ ( gr.: „παρέα”). Es wird meistens etwas gegessen, viel erzählt und gelacht und natürlich auch getrunken. Alle Augenblicke ruft irgendjemand: „Jammas!“. Alle heben ihre Gläser, stoßen miteinander an und trinken. Anders als bei uns zu Hause wird aber mit dem Nachgießen nicht gewartet bis das Glas geleert ist, sondern ständig wird aufgefüllt, so dass man bald schon gar keinen Überblick mehr hat, wie viel man eigentlich getrunken hat. Zwischendurch kann auch schon mal ein Tsikoudia (kretischer Name für Raki = Trester) gereicht werden. Also eine durchaus brisante Mischung. Wenn man nun einmal von Hause aus kein Weintrinker ist, sollte man den Wein nicht unterschätzen und daher nicht allzu oft recht heftige Schlucke nehmen, damit man auch später noch den richtigen Durchblick behalten und die Parea genießen kann. 

Kafenion

Leider gehen in unserer heutigen schnelllebigen Zeit immer mehr traditionelle Dinge und Werte verloren. Das ist natürlich auch auf Kreta so. Hoffentlich bleibt aber eine dieser traditionellen Stätten weiterhin bestehen, und zwar das Kafenion (gr.: το καφενείο). In den Touristenzentren oder in der Umgebung von Hotelanlagen auf Kreta ist es auch schon nicht mehr vorhanden, aber in den Altstädten der größeren Orte (oft versteckt in den kleinen Seitengässchen) und abseits der touristischen Pfade in den kleinen Bergdörfern oder irgendwo auf dem Lande sind sie noch Bestandteil des einheimischen Lebens. Da sieht man sie innen oder außen auf den markanten Stühlchen sitzen; meist sind es ältere Herren, vor sich auf den kleinen Tischchen ein Tässchen griechischen Kaffee und das obligatorische Glas oder die Karaffe Wasser. Da wird über Gott und die Welt geplaudert und diskutiert, auf die unfähigen Politiker geschimpft und mitgeteilt was es an Neuigkeiten im Dorf oder der Familie so gibt und/oder Tavli gespielt. Allerdings wird man in diesen Runden Frauen nicht finden; Kafenions sind reine Männersache, wobei natürlich eine Wirtin die Ausnahme von der Regel bilden darf. Bis vor wenigen Jahren, wo es politisch eigentlich nur zwei Kräfte auf Kreta gab (Pasok und Nea Demokratia), waren auch die Kafenions (partei-) politische Orte. Man besuchte ausnahmslos nur das Kafenion, wo die politisch Gleichgesinnten verkehrten. Daher gab es selbst in den kleinsten Dörfern zwei dieser ursprünglichen Kafenions. Auch sind die Kafenions oft Orte, wo der Postbote Briefe, Päckchen und Zeitungen abgeben kann und die Einwohner, die etwas außerhalb wohnen, sich dort ihre Post abholen können. Es bleibt zu hoffen, dass diese traditionellen Kafenions weiterhin Bestand haben werden, wobei, mir mögen die verehrten Leserinnen das verzeihen, diese Orte nicht unbedingt den Gleichberechtigungsgedanken der Geschlechter verkörpern. Allerdings gilt das Nichtanwesendsein ja nur für die einheimischen Frauen, denn speziell ausländische Frauen werden natürlich gerne willkommen geheißen und bewirtet.

Kalo mina

Zu den gängigsten Umgangsformen gehört es sich in unserer Heimat, dass man sich gegenseitig „guten Morgen“, „gute Nacht“, „frohe Weihnachten“, „prost Neujahr“ usw. wünscht. Das ist natürlich auch bei den Kretern/Griechen so. Aber sie setzten noch eins drauf: zum ersten Tag eines neuen Monats wünscht man sich „kalo mina“ (gr.: καλό μήνα), d.h. „einen guten Monat“. Daher zum Monatswechsel den kretischen/griechischen Freunden oder Bekannten ruhig ein freundliches „kalo mina!“ zurufen. Sie werden sich sehr über diese eigentlich so kleine Geste  freuen.

Leerer Teller

Man hat in einer angenehmen Gesellschaft – egal ob in einer privaten Wohnung oder in einer Taverne – sehr gut gegessen, ist satt und hat den leeren Teller vor sich stehen. Plötzlich aber wird der Teller wieder aufgefüllt von einem der nebenan sitzenden Kreter. Da hilft auch kein leiser und vorsichtiger Protest. Wohl oder übel, man muss weiter essen. Des Rätsels Lösung über dieses Verhalten ist einfach. Während bei uns ein leerer Teller davon zeugt, dass es gut geschmeckt hat und man satt ist, bedeutet ein leerer Teller auf Kreta, dass man noch nicht gesättigt ist und gerne weiterhin etwas essen möchte. Und da der aufmerksame Kreter annimmt, dass man zu schüchtern ist, um noch einmal zuzugreifen, übernimmt er halt diesen Part. Daher also immer einen kleinen Rest auf dem Teller lassen und jedermann ist zufrieden

New Road

Man fährt recht angepasst auf der "Neuen Straße" so wie es sich gehört. Doch beim Blick in den Rückspiegel hat sich schon eine ziemliche Autoschlange angesammelt. Und überholen können die nicht: durchgezogene Mittellinie, unübersichtliche Kurven. Was kann man tun? Der Kreter hat eine ganz einfache Lösung gefunden. So weit wie möglich auf den rechten Standstreifen fahren und hierbei die durchgezogene Linie nicht beachten. Und schon können die hinteren Autos zügig und ohne Risiko überholen. Die Lösung eines Problems kann also so einfach sein.

Oben ohne

Eine Unsitte, die sehr häufig anzutreffen ist, bitte nicht zum Beispiel nehmen! Auf Kreta sieht man sehr viele Fahrer von Mopeds / Rollern / Motorrädern, die sich ohne Helm auf den Straßen bewegen. Das kann zu unsäglichen Folgen bei einem Unfall führen und das nicht nur zu schwerwiegenden gesundheitlichen sondern auch zu versicherungstechnischen. Zudem kann auch noch ein erhebliches polizeiliches Bußgeld dazu kommen, denn auch in GR herrscht Helmpflicht. Bitte nicht nachmachen, auch wenn es verlockend scheint, ohne Helm zu fahren.

Die Rechnung bitte!

Wir sitzen bei einer „Parea/παρέα” zusammen. Es wird nach griechischer/kretischer Art gemeinsam gegessen und getrunken und es herrscht eine tolle Atmosphäre vor. So langsam aber nähert sich dieser gesellige Abend seinem Ende zu. Nun fragt sich der ausländische Gast, wie passiert das eigentlich gleich mit der Bezahlung? Keiner weiß doch oder hat vermerkt, was und wie viel jeder Einzelne gegessen und getrunken hat. Wie kann ich meinen Anteil nunmehr korrekt ermitteln? Das ist für Kreter allerdings überhaupt kein Problem. Entweder übernimmt einer aus der Gruppe zunächst den Gesamtbetrag und anschließend wird geteilt nach Anzahl der Personen oder es wird von vornherein von jedem aus der Runde anteilmäßig gezahlt bis die Gesamtsumme plus Trinkgeld erreicht ist. Es spielt also keine Rolle, ob der eine oder andere ein Glas mehr oder weniger getrunken, ein größeres Stück Fleisch genommen oder von den Vorspeisen etwas mehr gegessen hat. So einfach kann es also sein, Rechnungen stressfrei zu begleichen.

Tavli

In und - bei entsprechend gutem Wetter - vor echten Kafenions (Einzahl gr. Καφενεíο) sieht man häufig ältere Herren vor einem Brettspiel sitzen, meistens mit einem Tässchen griechischen Kaffees und einem Glas Wasser. Besonders im Hinterland, entfernt von den Touristenzentren der Küstenbereiche, und selbst in den entlegendsten Bergdörfchen kann man die Brettspieler beobachten. Das Spiel ist verwandt mit dem auch bei uns bekannten Backgammon und wird Tavli genannt. Es spielen zwei Personen gegeneinander mit Würfeln und Steinen auf einem entsprechenden Brett. Üblich sind drei Varianten, die dann oft abwechselnd oder nacheinander gespielt werden. Es handelt sich tatsächlich um eine Art Volkssport, der aber in der Öffentlichkeit fast ausschließlich eine Domäne für ältere Herren ist. Frauen sieht man bei dem Spiel in oder vor Kafenions eigentlich nie (Kafenions sind Männersache!), aber in Privatwohnungen spielen natürlich auch Frauen Tavli. Jüngere Leute haben allerdings heutzutage andere Favoriten und so könnte dieses Bild der Tavli spielenden Menschen bald der Vergangenheit angehören.

Todesfälle

Dass Witwen nach dem Tode ihres Ehemannes in Griechenland bis an ihr eigenes Lebensende schwarze Kleidung tragen, ist den meisten Urlaubern bestimmt bekannt. Aber sehr oft sieht man Männer jeglichen Alters mit wuscheligen Bärten und einer ungebändigten Haarpracht. Dabei handelt es sich nicht, wie man bei diesem Anblick meinen könnte, um ungepflegte Männer, sondern das hat leider einen sehr ernsten und traurigen Hintergrund. Es sind nämlich sehr enge Verwandte (Eltern, Geschwister usw.) verstorben und die (orthodoxe) Tradition verlangt, dass innerhalb von 40 Tagen bis zur großen Gedenkfeier zur Erinnerung an den oder die Verstorbenen, die Männer sich weder rasieren dürfen noch die Haare geschnitten werden dürfen Das zeigt einmal mehr, dass nicht alles so ist wie es auf den ersten Blick erscheint.

Toiletten - Eimerchen

Kreta-Neulinge (aber auch Gesamt-Griechenland-Ersturlauber) sind erstaunt, wenn sie bei ihrem ersten Toilettenbesuch in ihrem Hotel oder Apartment ein Schildchen sehen, worauf in etwa steht: „Kein Toilettenpapier in die Toilette werfen! Bitte Papier in den Eimer!“. Da fragt sich der erstaunte Gast, was das denn soll. Die Erklärung ist einfach: die Durchmesser der Abflussrohre sind so gering, dass eine Verstopfung durch das WC-Papier drohen würde und oft aufwendige Reparaturarbeiten erforderlich wären. Daher kommt das Papier ins bereitstehende Eimerchen. Und daran gewöhnt man sich recht rasch. Bei einem längeren Aufenthalt auf Kreta kann es durchaus passieren, dass man nach Rückkehr zu Hause anfangs vergeblich den kleinen Abfalleimer sucht.

Übrigens: das Eimerchen findet sich natürlich auch in allen Privatwohnungen (allerdings ohne das Hinweisschild), Tavernen, Flughafen-Toiletten oder wo es sonst noch Toiletten gibt.

Trinkgeld

Wenn dem Gast ein Aufenthalt in einer Restauration gefallen hat und man auch mit der Bedienung zufrieden war, möchte man natürlich auch ein angemessenes Trinkgeld geben. Angebracht ist hier ein Betrag zwischen 5 – 10 % des Rechnungsbetrages. Anders als bei uns Zuhause, wo man den Rechnungsbetrag um das Trinkgeld aufstockt (also z.B. die Rechnung beträgt 15 € und man will 1,50 € für die Bedienung geben), so sagt man: „16,50 € bitte“, so ist das auf Kreta nicht in dieser Form üblich. Dort wartet man bis die Bedienung das Wechselgeld komplett auf den Rechnungsbetrag herausgegeben hat. Danach lässt man einfach das zu gebende Trinkgeld auf dem Tisch zurück. Natürlich ist es in Gebieten, wo häufig ausländische Gäste bedient werden, den Bedienungen inzwischen auch bekannt, dass Touristen einen „Endpreis“ nennen und sie entsprechend das Trinkgeld einbehalten. In Gebieten aber, wo der Tourismus noch nicht so Einzug gehalten hat, kann es jedoch passieren, dass die Bedienungen das Trinkgeld nicht einbehalten und das Wechselgeld auf den Cent genau herausgeben. Am besten ist es daher, so wie die Einheimischen zu verfahren und immer etwas Kleingeld in der Geldbörse zu haben.

Volle Tische

Man sitzt zusammen in einer typischen kretischen Taverne, wo kaum Touristen zu finden sind, und zwar in einer Runde mit Freunden oder Bekannten. Es gibt eine Reihe diverser Vorspeisen und auch gegrilltes Fleisch. Eigentlich sind alle fertig, jedoch die noch nicht ganz leeren Vorspeisenteller und die Teller mit dem Restfleisch werden einfach nicht abgeräumt. Ein Versäumnis? Hat der Kellner keine Lust? Beileibe nicht! Da Kreterinnen und Kreter sowieso kein Essen ofenheiß zu sich nehmen (sie schütteln deshalb auch immer ungläubig und verständnislos mit dem Kopf, wenn die Touristen ausdrücklich auf heißes Essen bestehen, denn es ist ja klimamäßig eh schon ausreichend in hohen Temperaturbereichen), geht die Bedienung davon aus, dass immer mal wieder jemand aus der geselligen Runde von den Restspeisen etwas nimmt, denn auf Kreta nimmt man sich immer Zeit, natürlich erst recht für das Essen, nach dem Leitspruch: siga, siga (gr.: σιγά, σιγά) = langsam, langsam. Es handelt sich also nicht um eine Nachlässigkeit, sondern im Gegenteil um eine bewusste Untätigkeit. In Tavernen, die überwiegend von den Touristen frequentiert werden, werden die Tische aber sofort abgeräumt, denn hier gibt es kein siga, siga.

Frisches Wasser

Besucht man eine Taverne, Cafeteria oder Kaffeebar, so war es eigentlich selbstverständlich, dass Wasser gereicht wurde. Das gehörte einfach zum Service dazu, weil es die Wertschätzung des Wirtes seinen Gästen gegenüber zeigt, denn frisches Wasser ist (gerade auch auf der Insel Kreta) ein äußerst wichtiges Gut, dass man nicht verschwenderisch benutzen kann und darf. Leider wird heutzutage in (Touristen-)Tavernen (anders als in den Cafeterias und Kaffeebars) jedoch kaum mehr dieses erfrischende Nass angeboten, denn die überwiegende Anzahl der Urlauber konnte mit dem Wasser nichts anfangen und ließ es meistens unbenutzt stehen. Aber um einfach so weggeschüttet zu werden, dazu ist es zu wertvoll und wird darum erst gar nicht mehr automatisch serviert. So wird wohl diese Tradition in den Tavernen über kurz oder lang völlig verloren gehen.

Guten Winter

Es ist September / Oktober (an manchen Tagen regnet es vielleicht und die Saison geht zu Ende) und man hört und sieht, wie eine Reihe von Kretern sich verabschieden. Immer wieder fallen die Wörter „kalo chimona“. Chimona heißt doch „Winter“ - oder? Stimmt. Die Prüfung des Wortes im Wörterbuch ergibt, „chimona“ (gr. „χειμώνα”) entspricht dem deutschen Wort „Winter“. Man wünscht sich also einen „guten Winter“? Tatsächlich. Auf Kreta gibt es anscheinend nur 2 Jahreszeiten, Sommer und Winter. In diesem Sinne also lieber Leser: „καλό χειμώνα”!

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